Ich fühle mich nach der Geburt gar nicht fotogen. Lohnt sich ein Neugeborenenshooting trotzdem?
- Tanja Engelhardt

- 9. Apr.
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Apr.
Es ist ein Gedanke, den viele Mütter in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt haben. Natürlich freut man sich über das Baby. Und gleichzeitig fühlt man sich oft ganz anders, als man es sich vielleicht vorgestellt hat. Müde. Verletzlich. Aufgedunsen. Nicht richtig bei sich. Vielleicht auch einfach nicht schön. Jedenfalls nicht so, wie man sich selbst gern auf Bildern sehen würde. Viele Mütter fühlen sich einfach nach der Geburt überhaupt nicht fotogen und fragen sich deshalb, ob sie auf den Bildern überhaupt mit drauf sein möchten.
Und dann kommt vielleicht der Gedanke: Möglicherweise lieber später. Wenn ich mich wieder mehr wie ich selbst fühle. Wenn ich wieder etwas frischer aussehe. Wenn ich mich wieder fotogen finde. Ich kann das tatsächlich sehr gut verstehen. Wirklich.
Und trotzdem ist meine ehrliche Antwort darauf: Ja, ein Shooting kann sich auch dann sehr lohnen. Vielleicht sogar gerade dann.

Warum sich so viele Mütter nach der Geburt nicht fotogen fühlen
Nach einer Geburt verändert sich nicht nur der Körper. Oft verändert sich auch der Blick auf sich selbst. Man ist plötzlich in einer völlig neuen Lebensphase. Der Schlaf fehlt. Die Hormone arbeiten. Der Körper braucht Zeit. Das Herz ist voll und der Kopf oft auch. Dazu kommt außerdem, dass sich vieles erst einmal neu sortieren muss.
Man könnte sagen es ist wahrlich eine sehr sensible Zeit. In Phasen großer Umstellung werden wir mit uns selbst aber auch oft etwas strenger. Wir schauen vielleicht weniger liebevoll auf uns. Wir sehen schneller das, was uns nicht gefällt. Die Müdigkeit, Unsicherheit oder die Erschöpfung verstärken das oft auch noch.
Der Körper hat etwas großartiges geleistet, aber er fühlt sich möglicherweise noch nicht vertraut an. Das Leben hat sich verändert, aber man ist innerlich vielleicht noch gar nicht richtig hinterhergekommen.
Deshalb steckt in dem Satz „Ich bin gerade nicht fotogen“ meist viel mehr als nur die Frage nach dem Aussehen. Oft steckt dahinter ein Gefühl von: Irgendwie erkenne ich mich gerade selbst nicht richtig wieder.
Fotogen sein und berührt auf Bildern wirken ist nicht dasselbe
Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Viele Menschen verbinden schöne Fotos mit Attraktivität, mit Frische und/oder mit einer bestimmten Version von sich selbst. Mit einer Version, in der man sich sicher fühlt, geschniegelt ist und das Gefühl hat, gut auszusehen.
Aber berührende Bilder funktionieren anders. In der Neugeborenenfotografie geht es nicht darum, geschniegelt oder perfekt auszusehen. Es geht um eure Nähe und um Verbindung. Um die ganz besondere erste Zeit. Um liebevolle Gesten, Blicke, Hände, die halten, und Körper, die Schutz geben.
Was solche Bilder später wertvoll macht, ist nie die Frage, ob die Haare perfekt saßen oder ob man besonders erholt aussah. Es ist vor allem die Art, wie ein Baby bei euch in den Armen liegt. Wie klein alles an ihm war. Wie vorsichtig und innig sich die ersten Tage angefühlt haben.
Erst mit etwas Abstand merkt man, was die Bilder eigentlich festhalten.
Warum der Blick auf uns selbst oft so streng ist
Viele Frauen beurteilen Bilder vor allem danach , ob sie darauf vorteilhaft aussehen. Ob sie schlank wirken, frisch, schön und möglichst makellos.
Ich sehe das tatsächlich etwas kritisch.
Nach einer Geburt trifft nämlich genau dieser alte Blick auf eine Zeit, die mit Perfektion überhaupt nichts zu tun hat. Die ersten Tage mit einem Baby sind nun mal nicht geschniegelt. Sie sind chaotisch, innig, anstrengend und wunderschön gleichzeitig. Man lebt einfach nicht in einer Phase, in der alles geschniegelt aussieht. Viele Mütter fühlen sich in dieser so besonderen Zeit nicht fotogen, obwohl sie doch in Wahrheit gerade mitten in einer sehr besonderen und Großen Lebensphase stecken.
Spannend finde ich außerdem auch, das unser Gehirn dazu neigt in belastenden oder unsicheren Phasen , sich stärker auf das zu richten, was vermeintlich nicht stimmt. Das ist tatsächlich menschlich. Man sieht die eigenen Augenringe, den Bauch, die Haut und die Müdigkeit. Man sieht aber leider nicht die Wärme, die Sanftheit, die unglaubliche Nähe und Geborgenheit die von einem selbst ausgeht.
Was Bilder in dieser Zeit wirklich festhalten
Ein Neugeborenenshooting hält nicht nur fest, wie ihr ausgesehen habt. Es hält vor allem auch fest, wie sich die Zeit zwischen euch angefühlt hat. Es geht um die ersten Tage als Familie. Um das langsame Ankommen. Um die kleine Hand an eurer Haut. Um das Bedürfnis eurem Baby ganz nah zu sein. Um Blicke, die noch ganz vorsichtig sind und gleichzeitig voller Liebe.
Und weil diese erste Zeit manchmal wie im Nebel vergeht, können Bilder später so unglaublich wertvoll sein. Ganz viele Eltern funktionieren in den ersten Wochen einfach nur. Sie kümmern sich, sie tragen, sie stillen, sie trösten und sie versuchen irgendwie durch den Tag und vor allem durch die Nacht zu kommen. Und so geht der Blick auf das, was da gerade eigentlich passiert, verloren.
Fotos können genau das sichtbar machen. Ganz liebevoll und ehrlich. Sie zeigen nicht: Schau, wie perfekt du warst. Sondern : Schau, du warst da. Du hast euer Baby gehalten. Du hast es getragen. Du hast es von ganzem Herzen geliebt.
Und wenn ich mich auf den Bildern trotzdem nicht sofort mag?
Auch das kann sein. Und auch das ist völlig in Ordnung. Ein Shooting ist ja kein Zaubertrick. Es löst nicht automatisch all eure Unsicherheiten auf. Es nimmt euch auch nicht jede Selbstkritik weg. Manchmal braucht es etwas Abstand. Manchmal schaut man Bilder Wochen oder Monate später mit einem ganz anderen Blick an.
Ich finde, das darf man auch ehrlich sagen. Du musst nicht schon am Tag der Bildauswahl alles an dir mögen. Du musst nicht sofort denken: So wollte ich mich aber nicht sehen. Manchmal liegt der Wert der Bilder nicht darin, dass man sich auf Anhieb wunderschön findet. Sondern darin, dass etwas für euch bewahrt wurde, das sonst verloren gegangen wäre.
Mit der Zeit verändert sich der Blick. Dann sieht man nicht mehr nur die Müdigkeit. Man sieht das Baby in den eigenen Armen. Man sieht die Zartheit. Die Nähe und die Liebe. Und man erkennt vielleicht auch noch etwas anders, das man in dem Moment selbst vielleicht noch nicht so spüren konnte: wie präsent man war. Wie viel Wärme da war. Wie viel man gegeben hat.
Eure Kinder werden diese Bilder später ganz anders sehen
Das finde ich auch einen ganz besonders wichtigen Gedanken. Kinder schauen später nicht auf eure Bilder und denken: Die Mama sah aber müde aus. Oder: Warum hatte sie denn keine frisch gemachten Haare?
Sie sehen, dass sie von euch gehalten wurden. Dass ihr da wart. Dass sie geliebt wurden. Dass sie einen besonderen Platz bei euch hatten. Einen sicheren Ort und Hände, die sie getragen haben. Für eure Kinder erzählen diese Bilder eine Geschichte von Bindung.
Und vielleicht ist das auch für uns Erwachsene eine hilfreiche Perspektive. Die Frage ist nicht: Sehe ich perfekt aus? Sondern viel mehr: Was wird dieses Bild vielleicht einmal bedeuten?
Vielleicht lohnt sich ein Shooting trotzdem
Oft sind es genau die Mütter, die sagen, sie fühlen sich gerade gar nicht fotogen, die später besonders froh über diese Bilder sind.
Sicher nicht, weil sie sich auf einmal wunderschön finden. Sondern weil sie merken, wie wertvoll es ist, überhaupt mit drauf zu sein. In genau dieser Zeit. Mit diesem kleinen Baby. So, wie es eben war.
Denn die ersten Tage warten nicht, bis man sich wieder ganz wie man selbst fühlt. Sie sind einfach da. Oft anstrengend und trotzdem voller kleiner Momente, die man sonst vielleicht kaum festhält.
Daher glaube ich nicht, dass sich ein Neugeborenenshooting erst dann lohnt, wenn man sich wieder schön oder sicher fühlt. Es lohnt sich auch genau dann, wenn man gerade mitten in dieser besonderen, anstrengenden ersten Zeit steckt.
Mein Blick als Fotografin
Für mich muss bei einem Neugeborenenshooting überhaupt nichts perfekt sein. Ich möchte euch vor allem so festhalten, wie diese erste Zeit für euch wirklich war.
Ich weiß, dass sich viele Mütter nach der Geburt nicht besonders wohl fühlen. Ihr müsst euch dafür aber nicht erst anders fühlen. Und ich weiß auch aus eigener Erfahrung, dass genau daraus oft die Bilder entstehen, die einem später ganz besonders viel bedeuten.
Wenn du gerade selbst über ein Neugeborenenshooting nachdenkst, dich aber unsicher fühlst, ob jetzt wirklich der richtige Moment ist, dann darf ich dir vielleicht genau das mitgeben: Du musst nicht erst wieder ganz die Alte sein, damit diese Bilder wertvoll werden. Vielleicht liegt ihr Wert gerade darin, dass sie euch in einer Zeit zeigen, die so nie wiederkommt.
Du wohnst in München oder im Münchner Umland und wünschst dir Bilder aus dieser ersten Zeit mit eurem Baby? Dann melde dich gern bei mir. Auch wenn du dich gerade noch unsicher fühlst, können wir ganz in Ruhe schauen, ob ein Shooting jetzt schon das Richtige für euch ist.



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