top of page

Warum Nähe auf Familienfotos die wertvollsten Bilder entstehen lässt

  • Autorenbild: Tanja Engelhardt
    Tanja Engelhardt
  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen



Manchmal merke ich schon am Blick, dass Eltern erst kurz stutzen, wenn ich sage, dass ich beim Fotografieren gerne nah herangehe. Das ist dann nur ein ganz kleiner Moment, aber ich kenne ihn gut. Viele denken bei Nähe im Bild erst einmal an das, was sie an sich selbst kritisch sehen, an müde Augen, an kleine Hautunreinheiten, an Dinge, die vielleicht als Makel empfunden werden. Und ganz ehrlich, das kann ich verstehen.

Gerade frisch gebackene Eltern bekommen vielleicht gerade wenig Schlaf, wenige Pausen und sind ständig am abarbeiten und betreuen. Da fühlt man sich nicht immer frisch und geschniegelt, und schon gar nicht geschniegelt genug für eine Kamera. Und wenn dann jemand auch noch nah herankommt, ist der erste Gedanke möglicherweise, sieht man dann nicht alles?




Nähe auf Familienfotos zeigt viel mehr als Perfektion


Wenn ich beim Fotografieren Nähe auf Familienfotos suche, dann suche ich nicht die Perfektion, ich suche das, was erst später einmal eine wertvolle Bedeutung für euch bekommt.

Die kleinen Finger eures Babys, die sich in eure Kleidung graben, die winzigen Lippen, die feinen Härchen, eine Hand, die ganz selbstverständlich nach euch greift oder dieser eine Moment, in dem euer Kind sich an euch lehnt, ohne darüber nachzudenken. Das sind die Bilder, die im ersten Moment vielleicht noch nicht ihre Wirkung entfalten, aber mit der Zeit werden sie immer wertvoller.


Denn Nähe macht etwas sichtbar, das man in unserem hektischen Alltag gar nicht richtig wahrnimmt, weil es so selbstverständlich da ist. Aber genau das ist meistens das, wonach man sich später so sehr zurücksehnt. Vielleicht reicht schon ein Jahr, vielleicht sind es fünf, vielleicht zehn, und plötzlich ist dein Kind in der fünften Klasse, es ist deutlich größer geworden, selbstständiger, weniger auf deinem Schoß als früher, und du fragst dich, wo die Zeit eigentlich geblieben ist.


Und dann sind es nicht nur die großen Familienbilder, die etwas in dir auslösen, es sind die näheren und viel stilleren Momente, die kleine Hand, die weiche Wange, der Blick.

Diese selbstverständliche Nähe, die damals noch da war.

Und genau solche Bilder können einen in Sekunden wieder zurückbringen, nicht nur in einen schönen Moment, sondern in ein wunderbares Gefühl.


Kleine Babyhand während das Baby gestillt wird




Bilder als Anker für Erinnerungen


Unsere Erinnerungen hängen ja oft nicht nur an großen ganzen Situationen, sondern an kleinen Details, an Berührungen, an Blicken, an etwas, das wir mit Nähe und Geborgenheit verbinden. Solche Details wirken bei uns wie ein innerer Anker, sie holen nicht nur ein Bild zurück, sondern auch das Gefühl, das damit verbunden war.

Deshalb lösen insbesondere nahe Aufnahmen oft so viel aus, und so richtig begreift man das ja dann doch erst im Rückblick.


Ich glaube auch, genau darin liegt ihr besonderer Wert. Ein Familienbild zeigt euch später nicht nur, wie ihr ausgesehen habt, es kann euch auch daran erinnern, wie es sich angefühlt hat. Wie klein euer Kind einmal war, wie nah es bei euch war, wie vertraut und selbstverständlich die körperliche Nähe zwischen euch war, die sich mit den Jahren ganz still und leise verändert.


Und irgendwie glaube ich, ist genau das auch ein Problem, das wir Eltern erst viel später bemerken, dass man im Alltag so sehr im Funktionsmodus ist, dass man gar nicht realisiert, wie viel gerade verschwindet, während es ja noch da ist.

Wir tragen, wir trösten, wir halten Händchen, wir kuscheln im Vorbeigehen, und alles ist irgendwie selbstverständlich, bis es irgendwann einfach nicht mehr da ist.


Und genau deshalb fotografiere ich nicht nur das große Ganze, sondern auch die kleinen Momente dazwischen, weil ich finde, dass Familienfotos mehr dürfen, als nur schön sein. Sie dürfen uns etwas bewahren. Sie dürfen uns erinnern. Sie dürfen uns Jahre später etwas zurückgeben, was wir längst verloren geglaubt haben, nicht nur ein Bild von früher, sondern ein Gefühl von damals.






Kommentare


Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Bitte den Website-Eigentümer für weitere Infos kontaktieren.
bottom of page